20. Juli 2005
Zitate aus einem Interview mit Prof. Dr. H. Hackbarth (TiHo Hannover)
"Insgesamt fällt uns auf, dass aggressives Verhalten in der Form, wo es an die Grenze geht, unter 2 % liegt - durchgehend bei allen Rassen. Unter 2 %! Das ist eigentlich relativ wenig.Wenn jemand gebissen wird, ist es ihm natürlich egal, ob das ein Hund von 100 war. Da hat er natürlich Recht. Aber wenn wir Menschen auf abnormes Verhalten screenen würden, kämen wir wahrscheinlich auf höhere Prozentzahlen."
" Inzwischen haben nun gerade unsere Forschungen hier bewirkt, dass wir in Niedersachsen keine Rasseliste mehr haben.
Es gibt keine sogenannten Kampfhunde - weil wir in Aufarbeitung der Historie belegt haben, dass es gar keine Kampfhunde gibt, und weil wir in der wissenschaftlichen Analyse all dieser Wesensteste, die wir hier durchgeführt haben, zeigen konnten, dass es überhaupt keine Rassenpräferenzen gibt."
"Fast die Hälfte aller Hunde, die zur Zeit in Niedersachsen getestet werden, sind Schäferhunde oder Schäferhundmischlinge.
Das ist doch aufgrund der Populationsgröße auch richtig so. Schäferhunde wurden früher mit den Rasselisten überhaupt nicht erfasst. Daran sieht man, was für ein Unsinn das war. Denn natürlich gibt es auch unter Schäferhunden verrückte. Warum sollen die sich dem Test entziehen? Ich finde die jetzige Lösung "gefährlicher Hund" sehr gut. Wenn mich der Nachbars-Schäferhund blöde anmacht, habe ich heutzutage die Möglichkeit, mich dagegen zu wehren."
Auf die Frage des DGH: "Nun war in der Presse zu lesen, dass die beim Test auffällig gewordenen Hunde oft als Schutzhunde eingesetzt worden seien. Das erschreckt Schutzhundler natürlich."
antwortet Prof. Dr. H. Hackbarth:
"Das ist doch klar.
In den Bedrohungssituationen - das sind Situationen, die Hunde, die als Gebrauchshunde eingesetzt werden, natürlich kennen und die sie auf dem Hundeplatz auch trainiert haben - zeigen sie natürlich eine ganz andere Reaktion als der Schoßhund.
Das muss man ganz klar sehen.
Und sie fallen - weil sie erlernte, gewollte Aggression haben, die aber keine Hyperaggression ist - natürlich auf.
D.h., man sieht sofort, dass das ein Hund ist, der als Schutzhund ausgebildet wurde. Wenn eine massive Bedrohung kommt, dann droht der zurück. Aber er droht zurück! Insofern fallen sie da etwas häufiger auf als andere.
Sie fallen häufiger auf als z.B. Bullterrier, die ja fast nur noch als Schoßhündchen gehalten werden und gar nicht mehr in solche Situationen kommen.
Das Ergebnis ist also nicht schlecht für die Gebrauchshunde. Sie fallen halt auf. Da sieht man einen Hund, der gelernt hat, dass in bestimmten Situationen Aggressionsverhalten zum Erfolg führt.
Das heißt aber mitnichten, dass solch ein Hund überaggressiv ist. Da fallen sie nicht mehr und nicht weniger auf als andere.
Quelle: Der Gebrauchshund 2/2005
Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth ist Leiter des
Instituts für Tierschutz und Verhalten der Tierärztlichen Hochschule Hannover