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25. Juni 2009

Stellungnahmen von Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth und Frau Dr. Dorit Feddersen-Petersen zum Urteil des VGH Baden-Württemberg vom 26.3.2009, 2 S 1619/08

siehe auch -> Urteil des VGH Baden-Württemberg vom 26.3.2009, 2 S 1619/08

"Hallo Familie Groos,

...Ich bin freier Journalist und habe Professor Hackbarth und Dr. Feddersen-Petersen um Stellungnahme zum VGH-Urteil aus Baden-Württemberg gebeten. Hier Ihre Antworten.

Vielleicht ist das ja was für Sie?

Viele Grüße,
Bodo Venten"

Ist es. Ein herzlicher Dank geht an -> Bodo Venten.

Noch interessanter wären allerdings Stellungnahmen der dort zitierten Wissenschaftler zum

-> Urteil des OVG Berlin-Brandenburg in einem Normenkontrollverfahren gegen das Land Brandenburg, zur Ordnungsbehördlichen Verordnung über das Halten und Führen von Hunden (Hundehalterverordnung - HundehV) vom 16. Juni 2004 OVG 5 A 1.06, 15. November 2007 (44 Seiten, pdf)

wobei Herr Prof. Hackbarth gerne auch etwas ausführlicher werden könnte... ;-)
die Red.

Stellungnahme von Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth

Sehr geehrter Herr Venten,

über die Auslegung wissenschaftlicher Untersuchungen durch Gerichte und Richter wundere ich mich schon lange nicht mehr.

Mit freundlichem Gruß

Prof. Dr. Hansjoachim Hackbarth

Stellungnahme von Prof. Dr. Dorit Feddersen-Petersen

Sehr geehrter Herr Venten,

danke für Ihr Schreiben. Zu dem Urteil des VGH Baden-Württemberg wäre (wie schon so oft in den vergangenen 10 Jahren) zu sagen:

Eine a priori-Gefährlichkeitsbezichtigung für Hunde einer bestimmten Rassezugehörigkeit entbehrt jedweder Fakten, ist unbiologisch gedacht (interindividuelle Variabilität, systemische Faktoren (Mensch-Hund-Beziehung, frühe Entwicklung des Hundes) werden außer Acht gelassen) und wird somit als Prophylaxe von Beißzwischenfällen für ungeeignet erachtet.

Ein "gesteigertes Aggressionsverhalten" (zu welcher Vergleichsrasse oder Hundegruppe wurde wann, wie "gesteigert" aggressiv interagiert, was heißt "gesteigert", wie ist die genetische Disposition bewiesen worden und von wem?) muss als semantische hypertrophe Sinnlosigkeit abgetan werden, zumal generalisierend in Anwendung auf auf alle Individuen einer Rasse.

Punkt 33. Dr. F. kann ich wohl nicht sein. Zu Punkt 37 stehe ich voll und ganz. Ad 38: Natürlich gibt es Unterschiede im Sozialverhalten, somit auch im Aggressionsverhalten von Hunderassen, die allerdings sehr sauber in ihren Wechselwirkungen mit etlichen ökologischen Variablen (Gegebenheiten und Reizen) darzustellen sind, in sehr sorgfältiger Wertung und Bewertung.

Ich habe das Gegenteil dessen ausgeführt, was mir unterstellt wird. Die besonderen Kenntnisse (und die persönliche Integrität) beziehen sich darauf, dass Terrier nicht (weil es durch Gesetze und Medien modern wurde) besonders "scharf" gemacht werden und kaum Sozialisierung erfahren, da als Mittel zur Einschüchterung operationalisiert. Das gilt natürlich auch für andere (insbesondere große) Hunde.

Die Schlussfolgerungen in 39 kann ich nicht nachvollziehen. Dazu habe ich nie etwas publiziert.

Sicherlich wäre es gut, wenn vor der Haltung eines jeden Hundes Kenntnisse nachzuweisen wären (wie im sog. D.O.Q.C.-Test) jetzt möglich.

Ad 44: Dass die Bevölkerung den sog. Kampfhunderassen gegenüber zunehmend Ängste entwickelte, führe ich auf die Hundeverordnungen und -gesetze mit diskriminierten Rassen und die Berichterstattung in den Medien zurück!!!

Dieses zur Gegenseite, der Genese sozialer Inakzeptanz.

Ad 46: Leider liegen mir keine Statistiken vor, ob die genannten Rassen von "überdurchschnittlich aggressiven Personen" gehalten werden und wie man diese wertet (ungeheuerlich). Ich kenne persönlich sehr nette Ladies, die Bullterrier und Staffordshire Bullterrier hielten / halten und kann die Feststellungen in 46 nur mit einem Kopfschütteln quittieren.

Ad 51: Es gibt etliche Fälle von Verhaltensstörungen mit Beißattacken bei Golden Retrievern, wohl zurückzuführen auf deren schnelle und wenig qualifizierte Vermehrung, die nach der Ernennung als "Hund des Jahres" (1995?) sehr modern wurden. Insofern ist diese Behauptung nicht aus der Luft gegriffen.

Ad 52: Terrier ist nicht gleich Terrier. Die Ontogenese, die Lernerfahrungen sind ganz wesentlich, wenn Hunde Menschen gegenüber inadäquates Beutefangverhalten zeigen, wie im Reuhl-Artikel beschrieben.

Ad 53 Unsinnige Benennungen mögen belustigen, helfen jedoch nicht weiter. Was ist "Kampfinstinkt"? Was ist ein "genetisch bedingter Schutztrieb"? Wer hat über die Beisskraft und deren Relevanz in puncto Verletzungen gearbeitet? Verletzungen werden bei Hundebissen ganz allgemein durch Zerren, Ziehen der Haut und des darunterliegenden Gewebes und Schüttelbewegungen mit diesem Gewebe gesetzt .

So, ich denke, das möge reichen. Was ich schrieb, vertrete ich auch heute noch, allerdings ohne sinnentstellende Verzerrung!

Mit freundlichen Grüßen

Dorit Feddersen-Petersen


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